Donnerstag, 19. Mai 2011Vom Tun und Lassen eines Tango-DJs
Diesen Text hat Fritz gefunden und aus dem Schwedischen übersetzt. Er hat lange Zeit versucht, Kontakt zu Peter Bengtson aufzunehmen, was leider nicht gelang. Wir aus der Ulmer Szene, die seitdem diese sehr ausführliche Abhandlung gelesen und darüber diskutiert haben, empfinden sie als eine Art Standardwerk, das man trotz seiner stellenweisen Sperrigkeit und gelegentlichen Strenge studieren sollte, sofern man den Tango ernst nimmt und mehr von ihm erwartet als nettes Feierabendgeschiebe.
Peter Bengtson Om att DJ:a tango Vom Tun und Lassen eines Tango-DJs Den Musicalizadores in Ulm um Ulm und . . . Peter Bengtson ur : Tangoportalen.com 2006 1. Wie man Tangomusik auflegt Demjenigen, der beabsichtigt, Tango-DJ zu lernen, möchte ich hier einige Tipps dazu auf den Weg geben. Auflegen ist ungefähr dasselbe wie Tangotanzen oder ein neues Instrument spielen zu lernen. Es erfordert Anstrengung, dauert seine Zeit und ist auch nicht umsonst. Und ebenso, wie niemand irgendwann als Tangotänzer ausgelernt hat, hat man auch als Tango-DJ nie ausgelernt. Ich betrachte mich nach einigen Jahren absolut nicht als Experten, aber ich habe gut drei Jahrzehnte Erfahrung mit dem „ Zusammensetzen von Musik “. Eine andere Absicht mit diesem Artikel ist, bei den Tänzern ein Verständnis für die Bedeutung der Musik und des DJ zu wecken, ebenso bei denen, die Milongas organisieren. Wenn man sicher sein möchte, dass eine Milonga oder eine Practica möglichst gut wird, geht es nicht an, CDs nach Gutdünken abzuspielen. Ein DJ arbeitet während des ganzen Abends. Jeder DJ, der diesen Namen verdient, befindet sich in unablässigem wortlosem Dialog mit dem Tanzboden. Er arbeitet konzentriert und andauernd, während die Musik abläuft. Ein DJ, der aktiv daran arbeitet, die Stimmung während eines Abends aufzubauen, kann nicht von jemandem ersetzt werden, der CDs nach Zufall auflegt.
Weiter möchte ich darauf hinweisen, dass der DJ eine zentrale und wichtige Arbeit hat und dass ein seriös arbeitender DJ für diese Arbeit auch bezahlt werden sollte. Es sollte selbstverständlich sein, dass im Budget der Veranstalter zumindest bei Milongas ein Entgelt für den DJ enthalten ist und dass man nicht davon ausgeht, dass er stundenlang, Milonga nach Milonga, bereit ist, kommerzielle Arrangeure oder ideelle Vereinigungen mit seiner Arbeit zu unterstützen, für die er hunderte Arbeitsstunden und Euros aufgewandt hat. Ich hoffe dazu beizutragen, dass immer mehr Leute anfangen, DJ zu lernen. Dieser Artikel handelt davon, wie eine traditionelle Milonga aufgebaut ist, eine milonga mit Tandas und Cortinas und vor allem mit klassischer Tangomusik aus der „Hochzeit“ des Tangos. Es gibt auch andere Arten, Tangomusik aufzulegen, z.B. im Zusamenhang mit Neotango in Europa und Nordamerika. Aber das ist nicht das, was mich hier interessiert. Hier rede ich nicht davon, wie man Neotango auflegt, sondern über argentinischen Tango, wie man das in Buenos Aires macht. Rolle und Bedeutung des DJ Der Tango ist deshalb einzigartig, weil er ganz improvisiert ist. Es gibt keine festgelegten Bewegungsabfolgen, keine Choreographien. Die Tänzer befinden sich ungefähr in der gleichen Situation wie Jazzmusiker, die eine gut bekannte Standardmelodie zum Ausgangspunkt einer persönlichen Deutung nehmen. VON ENTSCHEIDENDER BEDEUTUNG IST BEIM TANGO DIE MUSIK ! Ja, man kann sogar sagen, dass derjenige überhaupt nicht Tango tanzt, der nicht von der Musik ausgeht. Musikalität ist beim Tangotänzer extrem wichtig und muss geübt werden, weil von ihr alles abhängt . Der DJ hat dabei eine zentrale Rolle. Ein guter DJ inspiriert und hebt das Tanzniveau. Über kurz oder lang kann ein guter DJ das Tanzniveau sogar auf Dauer heben. Dafür gibt es reichlich internationale Beispiele. Ein schlechter DJ oder gar das Fehlen eines Djs kann dagegen einen ganzen Tanzabend zunichte machen, der Stimmung die Luft rauslassen, die Tänzer frustrieren und demotivieren. Das Parkett wird chaotisch, die Leute gehen zu zeitig und mit einer unbestimmten Empfindung von Unlust nach Hause, von der sie nicht einmal wissen, woher sie kommt. Über kurz oder lang behindert ein schlechter DJ die Tänzer in ihrer Entwicklung. Für wen spielst du? Du spielst für dieTänzer . Für niemanden sonst. Vor allem spielst du nicht um deinetwillen !! Es ist ganz und gar nebensächlich, ob du Biagi magst oder nicht, oder ob du eine Milonga über alles liebst. Du bist dazu da, den Tänzern ein bestmögliches Erlebnis zu schaffen, und deshalb musst du als DJ mit dem Standardrepertoire vollständig vertraut sein. Es gibt einige hundert Tangos, die die Grundlage für alle Tanzabende bilden, Tangos, die du in deiner Diskothek haben und die du in- und auswendig kennen musst. Es ist wichtig, Klassiker zu spielen, nicht zuletzt wegen der Tanzanfänger, damit die das Repertoire kennenlernen. Tango ist ein improvisierter Tanz, und deshalb müssen die Tänzer die Klassiker immer wieder hören, so dass sie sie kennenlernen und mit ihrem Tanz interpretieren können. Du schaffst Abwechslung und zeigst deine Originalität nicht dadurch, dass du exotische, exzentrische oder überhaupt ungewöhnliche Musik auswählst, sondern dadurch, wie du die Tangos aus dem Standardrepertoire kombinierst. Darauf kommt es an: wie du deine Tandas zusammenfügst, wie du Orchester einander gegenüberstellst und nicht zuletzt, wie du die Spannungskurve während des Abends aufbaust. Der DJ ist niemals der Mittelpunkt des Abends. Im Gegenteil ! Wenn du deine Arbeit gut ausführst, bleibst du unbemerkt, weil die Leute sich voll und ganz auf den Tanz konzentrieren können. Dein Lohn ist, einen organisch fließenden Tanzboden mit Menschen zu sehen, die sich wohlfühlen, weil sie instinktiv verstehen, dass du auf eine fast telepathisch zu nennende Weise ihre Bedürfnisse voraussiehst. Dadurch machst du es den Tänzern möglich, ein höheres Tanzniveau zu erreichen. Drei äußerst verschiedene Arten von Tangoveranstaltungen gibt es : - Die Milonga: Tanzabend - Die Practica: Training - Den informellen Abend: reine Geselligkeit Die Milonga ist ein reiner Tanzabend. Man übt nicht, man tanzt nur. Es gibt keinen Unterricht, kein Üben, keine Korrektur der Tanzpartner. Man riskiert nichts, während man tanzt, sondern verlässt sich darauf, das, was man kann, so gut wie möglich zu machen. Oft wird bei Milongas Musik mit Tandas und Cortinas aufgelegt, bisweilen gibt es Bewirtung, Shows oder Life-Musik. Als DJ für die Musik auf einer Milonga zuständig zu sein bedeutet, dass man von Anfang an und so lange arbeitet, bis der letzte Gast geht: Man passt dauernd die Musikauswahl der Energie auf dem Tanzboden an und versucht, die Tänzer in einen Strom von Musik „einzubetten“. Das erfordert Empfindsamkeit und Erfahrung. In meinen Augen soll ein DJ auf einer Milonga immer bezahlt werden, d.h. unter der Voraussetzung, dass er seine Zeit in der DJ-Box verbringt und nicht auf dem Tanzboden! Die zweite Kategorie, die Practica, ist weniger formell. Hier ist es das Hauptziel zu üben, was leider viele Tänzer nicht daran hindert, zu tanzen wie auf jedweder Milonga. Cortinas gibt es nicht, auch kein Auffordern zum Tanzen: Hier geht es um Training. Eine Practica ist kein Tanzabend. Daher ist generell die Lautstärke der Musik wesentlich niedriger, so dass man innehalten und reden, diskutieren und andere um Rat fragen kann. Als DJ auf einer Practica ist es nicht so wichtig, schnell zu reagieren - du kannst z.B. auch selbst tanzen oder CDs von deiner festgelegten Musikauswahl brennen. Es ist nicht notwendig, auf gleiche Art „vom Parkett zu lesen“ wie auf einer milonga, weil das Trainieren das Wichtigste ist. Aber es ist genauso wichtig, eine ausgewogene und fließende Musikauswahl zu treffen. In einer ideellen Vereinigung ist es wahrscheinlich nicht aktuell, einen DJ auf einer Practica zu bezahlen, weil hier der Einsatz auch für den DJ ein Training bedeutet. Legst du dagegen bei einem kommerziellen Arrangeur auf, solltest du definitiv auf Bezahlung bestehen. Die dritte Kategorie, der informelle Abend, oft bei jemandem zu Hause, ist weniger empfindlich, darüber gibt es nicht so viel zu sagen. Hier gibt es keine Tandas, und auch Cortinas wären absurd. Hier geht es um Musik und Tanz in Gesellschaft guter Freunde. Wer sollte dafür bezahlen? Wenn man DJ lernen will, empfiehlt es sich, mit informelleren Arrangements zu beginnen und erst allmählich einen Milongaabend zu gestalten, denn dazu bedarf es der Übung. Du wirst nicht danach beurteilt, ungewöhnliche oder neuere Musik herauszufinden, sondern nach deiner Fähigkeit, eine traditionelle, auf Tangoklassik basierende Abfolge, zu finden. Die Einstellung auf Tangoveranstaltungen ist sehr unterschiedlich, auch innerhalb einer jeden der genannten Kategorie. Sonja Abadi schreibt in ihrem Buch „Bazar der Umarmungen“: „Mancherorts sind die Codices strikt und der Tanz wird als eine knallharte Herausforderung angesehen, ohne irgendwelches Nachsehen, ohne Unterhaltung oder Ablenkung. Anderswo ist es mehr Zertreuung als Tango. Viele große Tische mit Gruppen von Kursteilnehmern oder Gästen schaffen eine festliche Stimmung, senken aber auch das Tanzniveau.“ Und weiter: „Auf manchen öffentlichen Plätzen in Buenos Aires wird der Tango heutzutage völlig zwanglos getanzt - mit einer einfachen Musikanlage auf dem blanken Boden, vor neugierigen Blicken verwunderter Passanten. Es herrscht ein legerer Stil ohne Künstelei, wobei sowohl Männer als auch Frauen auffordern können. Man tanzt in Jeans oder Joggingschuhen, Schnürstiefeln oder T-Shirts. Dort geht man hin, wenn man in der Gegend wohnt, aber auch, wenn nicht.“ „Man tanzt im Unterricht oder auf Practicas, die ganz natürlich zu Milongas umfunktioniert werden – man tanzt weiter auf den mehr traditionellen Milongas mit Tandas, wo der Mann mit einem „Cabeceo“ auffordert, wo es getrennte Tische für Männer und Frauen gibt, dort ist man auch besser angezogen.“ Als DJ musst du dich allen diesen Kategorien von Tänzern und Situationen anpassen und sie bedienen. Ein DJ, der ausschließlich d'Arienzo spielt, weil er ihn selber vor allen anderen schätzt, ist ein ähnlich hoffnungsloser Fall wie ein DJ im Radio, der nur Songs von Abba spielt oder wie ein DJ, der mit der letzten Nuevo-Platte eingeschneit ist und der versucht sie stur und überall an jedem Abend reinzupressen. Vergiss dein Ego und deine persönlichen Vorlieben! Versuch' mitzubekommen, was die Gäste brauchen – was nicht immer dasselbe ist wie das, was sie haben möchten – und gib es ihnen nach so klassischen Prinzipien wie möglich. Das funktioniert meistens am besten. Wenn du das drauf hast, kannst du mit dem Experimentieren anfangen. Aber bis dahin hast du noch nicht das Zutrauen der Tänzer gewonnen, und deshalb ist das Experimentieren risikoreicher. 2. Die Musik auf einer Milonga Grundlage ist die Musik, die zwischen 1935 und 1955 in Buenos Aires gespielt wurde, d.h. Musik aus dem „Goldenen Zeitalter des Tangos“. Fast alle Musik während eines guten Tanzabends stammt aus dieser Zeit. Ausnahmen gibt es früh am Abend, wo auch gerne 20er Jahre-(Schrummel-)Tangos aufgelegt werden, um die Stimmung auf Trab zu bringen und in den Tanz reinzukommen oder spät in der Nacht, wo es schön sein kann, eine Tanda frühen Tango zur Entspannung aufzulegen. Musik aus späterer Zeit, falls sie tanzbar ist !, kann später am Abend als Kontrast und Abwechslung aufgelegt werden. Nach 1950 entwickelte sich der Tango immer mehr ins Konzertante und Schwülstige, das bedeutet, dass er kaum jemals tanzbar ist. Warnung: Massenhaft Nachklang oder sogar Echo, Wälder von Geigen, Hammond-Orgel, Chöre, Vibraphone, Schnulzensänger mit übertriebenem Rubato und ultrapathetischem Ausdruck. Die großen Orchester Während des „Goldenen Zeitalters“ gab es allein in Bs As hunderte von Tangoorchestern (orchestas tipicas), von denen einige Dutzend praktisch an jedem Tanzabends vorkommen. Sie haben immer ihren eigenen Sound, sie haben alle die Tangoentwicklung zutiefst beeinflusst, und würde man sie an einem Abend nicht spielen, würde manch einer empfinden, dass etwas fehlt. - Anibal Troilo: Wahrscheinlich der vielseitigste aller Orchesterleiter - Juan D’Arienzo: König des Rhythmus - Carlos di Sarli: Unverwechselbarer Klang, rhythmisch, lyrisch - Osvaldo Pugliese: Dramatisch und tiefgründig (in Bs As werden jedoch niemals seine gesungenen Tangos gespielt) - Ricardo Tanturi: Geschmackvoll und rhythmisch - Miguel Caló: Lyriker - Angel D'Agostino: Lyriker - Francisco Canaro: Eine enorme Variationsbreite - Osvaldo Fresedo: Rhythmiker, Lyriker Die vier erstgenannten kann man zu den größten und wichtigsten zählen, aber auch die fünf anderen sind an einem Tanzabend unverzichtbare Giganten. Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Aufzählung nicht besonders viel mit meinem persönlichen Geschmack zu tun hat, sondern eine Auflistung aus dem gespielten Repertoire von den Djs darstellt, die wirklich ihr Metier beherrschen. Etwas weniger häufig kommen vor, sind aber dennoch zentrale Musiker : - Rodolfo Biagi: Ultrastaccatos und Meister der rhythmischen Raffinessen, fantastische Walzer und Milongas - Alfredo Gobbi: Tiefgründend und ausdrucksstark in der Pugliese-Troilo-Tradition - Pedro Laurenz: Sophisticated und reichhaltig - Francisco Lomuto: Frühe Tangos, angenehme Milongas, häufig originelle Valses - Roberto Firpo: Früher Avantgardist und rhythmisches Genie - Orquesta Tipica Victor: Frühe, unverzichtbare und sehr gut tanzbare Perlen - Enrique Rodriguez: „D’Arienzo light“ - Edgardo Donato: Meistens rhythmisch - Lucio Demare: Unverzichtbar, rhythmisch, lyrisch - Francini-Pontier: Expressiv im Geiste Puglieses (in Bs As werden niemals F-Ps vokale Tangos gespielt, nur instrumentale) Die nachfolgenden allerdings sind bei verschiedenen Anlässen mit gewisser Vorsicht zu handhaben : - Alfredo deAngelis: Seine Tangos werden bisweilen verächtlich von den Argentiniern selbst „Karussellmusik“ genannt. Das betrifft insbesondere seine späten Aufnahmen („El Tango-Club“ - Vorsicht! ), aber die frühen sind generell gut. Was man auch immer von seinen späteren Produktionen halten mag, seine Walzer sind ganz fantastisch. Ohne die geht’s nicht. - Horacio Salgán: Ein Erneuerer großen Ausmaßes, aber nicht alles ist tanzbar ( in Argentinien meint man, er sei etwas zu jazzig, um darauf zu tanzen). Doch gibt es fantastische Tangos in seinem Werk. - Julio de Caro: Er revolutionierte die Entwicklung des Tangos und machte fantastische Musik, aber die Aufnahmen, die wir noch haben, sind oft von schlechter Tonqualität. Solltest du Aufnahmen finden, die sich gut anhören, dann spiel sie! Tangogeschichtlich gesehen ist er ein regelrechter Gigant und sollte viel öfter gespielt werden, aber nur in guten Aufnahmen. Jemand hat gesagt, Julio de Caro sei “derjenige, von dem Pugliese sein ganzes Konzept gemaust hat.“ Und da ist was dran. - Los Tubatangos: Imitiert frühen Tango. Eine Tanda am Abend reicht vollkommen. - Miguel Villasboas: Ahmt frühen Tango nach. S.o. Gewarnt sei vor Folgenden: - Florindo Sassone. Oft ziemlich kitschig, und die Vibraphonoktaven zu Beginn fast aller seiner Tangos werden auf die Dauer ziemlich langweilig. Als richtig abschreckendes Beispiel für den schlimmsten Geschmack unter seinen Tangos hör mal sein schrecklich kitschiges Arrangement von Gades „Celos“. Aber noch einmal: Wenn man in den frühen Tangoproduktionen etwas kruschtelt, findet man sehr gut brauchbare. - Hector Varela: Zaghaft, inhaltslos und einfach in seiner Strukturierung, wird bisweilen für Anfänger gespielt, was für alle kein guter Dienst ist. Doch gibt es auch einige leuchtende Ausnahmen, wiederum in den frühen Produktionen. Lern', den Unterschied zwischen den verschiedenen Orchestern hören! Du musst D’Arienzo von Biagi, Lomuto von Canaro, Coló von D'Agostino usw. unterscheiden können. Du musst auch erkennen können, aus welcher Zeit ungefähr eine Aufnahme stammt: Ein früher Troilo klingt überhaupt nicht wie ein später, und du solltest während einer Tanda die verschiedenen Zeitperioden nicht vermischen, ohne zu wissen, was du tust. Das erfordert viele viele Hörstunden. Und Piazzolla? Auf den tradionsbeladenen Milongas in Bs As wird Piazzolla überhaupt nicht gespielt. Der erste Grund: Seine Musik gilt als schwer tanzbar, der zweite : er distanzierte sich ganz offen vom getanzten Tango – er war der Meinung, dass Tänzer ein Unding seien und wollte, dass man seine Musik nur anhörte. Die Tänzer in Bs As antworteten darauf mit dem Urteil, seine Musik sei nicht tanzbar. Piazzolla, der seine Kindheit und frühen Jugendjahre in New York verbrachte, ließ sich, als er eine neue Art Tango, den Tango nuevo schuf, nur bestimmt zum Gehörtwerden, u.a. vom Jazz beeinflussen. Seine Einstellung zu Rhythmus, Form und Harmonik sind etwas anders als gewöhnlich, und wenn außerdem noch Schlagzeug angewandt wird, dann kennen viele Tangotänzer sich selbst nicht mehr. Doch hat Piazzolla seine musikalischen Wurzeln tief in der Tangotradition. Viele, die ihn als untanzbar abtun, wissen nicht, dass er jahrelang Hanibal Troilos Hausarrangeur war, bevor er sein eigenes Orchester gründete, mit dem er zwischen 1946 und 1948 viele ganz und gar klassische Tangos ohne Jazzelemente aufnahm. Darunter gibt es viele, die in jedwede Milonga nur so reinfließen. Wenn du Piazzolla oder Tango Nuevo in seinem Stil spielen willst, dann mach es als Unterbrechung - anstelle einer Vals- oder Milongatanda . Mach es lieber später am Abend als früh, weil viele finden, dass sie erst im Tangofluss sein müssen, bevor sie Piazzolla gerecht werden können. Ähnlich wie mit Pugliese. Ein anderes Problem sind alle Piazzolla-Epigonen, die nach seinem Tod den Markt überschwemmt haben. Ihnen fehlt oft sein Erfindungsreichtum, und sie bedienen sich viel zu oft seiner Unsitten, z.B. gewisser rhythmischer Muster, die ständig wiederholt werden, weit über die Grenze des Erträglichen hinaus. Kompositorisch gesehen hatte Piazzolla tatsächlich größere Schwächen, und wenn Möchtegern-Komponisten (häufig Musiker, die versuchen, eigene Tangos zu komponieren) ihn kritiklos oder unwissend nachahmen, dann ist das Ergebnis oft unerträglich. Besonders, wenn sie nicht wissen, was es bedeutet, zum Tanzen zu spielen. Sei gewarnt ( ich selber schließe mich denen an, die meinen, dass die Piazzolla-Nachfolge, was die musikalische Entwicklung des Tangos angeht, ganz tot ist: Was immer noch Möglichkeiten der Neuschöpfung schafft, ist die Linie, die von Pugliese und Troilo ausgeht. Dazu später mehr). Vom Aufbau einer Plattensammlung Stephen Brown hat eine sehr gute Anleitung zum Aufbau einer Plattensammlung gemacht: HYPERLINK "http://www.tejastango.com/tango_music_collection.html"www.tejastango.com/tango_music_collection.html Der nachfolgende Link führt zu einer Liste der Tangos, die viele für das Standardrepertoire halten: HYPERLINK "http://www.tejastango.com/classic_tangos.html"www.tejastango.com/classic_tangos.html Bemüh' dich, allmählich alle diese Tangos zubekommen. Das Problem ist allerdings, dass es sie nicht zusammen auf einer Auswahl-CD gibt. Sie sind weit verstreut, und wahrscheinlich musst du eine ganze CD kaufen, um an zwei Klassiker zu kommen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird deine CD-Sammlung aus mindestens ein- bis zweihundert CDs bestehen – und da rede ich nur vom Standardrepertoire. Man sollte annehmen, dass das Internet in diesem Zusammenhang mit seinen Download-Programmen eine Goldgrube sei. Aber leider gibt es äußerst wenige klassische Tangos im Netz. Und das, was es gibt, ist oft mit niedriger Bit-Geschwindigkeit gesampelt, ca. 56 kbps, was schlechte Tonqualität bedeutet, besonders dann, wenn die Aufnahme knarzt und knistert. Außerdem ist das Runterladen ein Verstoß, und die Copyright-Gesetze schützen auch Tangos auf Shellack-Platten. Schutzfrist ist 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers und/oder 50 Jahre nach dem Tod der mitwirkenden Musiker. Argentinien befindet sich in einer tiefen ökonomischen Krise – klau' ihnen nicht ihre GEMA-Einnahmen. 3. Tandas Die Musik an einem Tanzabend wird in Tandas gespielt. Robin Thomas (www.tangonyc.com/djs.html) schreibt dazu: "Eine Tanda ist eine Folge von Tangos, Milongas oder Valses. In Bs As wird die Musik fast ausnahmslos in Tandas gespielt, gewöhnlich zu je vier Tangos. Je nach DJ werden zwei Tandas Tango, dann eine Tanda Vals, danach eine oder zwei Tandas Tango und schließlich eine Tanda Milonga gespielt. Dann wiederholt sich das Ganze. Es ist eine fast universelle Regel, eine Tanda mit demselben Partner zu tanzen. Als äußerst unhöflich gilt, mitten in einer Tanda mit dem Tanzen aufzuhören." Warum nun aber die Tandas? Robin fährt fort: "Die Musik innerhalb einer Tanda stammt gewöhnlich von einem Orchester der gleichen Periode. So hört man z.B. innerhalb ein und derselben Tanda nicht einen Pugliese aus den 40er und einen aus den 50er Jahren. Während einer Tanda können die Partner gut in die Musik reinkommen, auf sie eingehen, sie gemeinsam erforschen, ohne sich dauernd an Neues gewöhnen zu müssen. Wichtiger noch ist, daß man seinen Partner nach der Musik wählen kann. Man kann z.B. jemanden auffordern, mit dem man gerne zu einem Pugliese tanzen möchte und sicher sein, daß nicht plötzlich eine Milonga folgt. In Argentinien muss sich keiner Gedanken machen, wie er dem Partner mitteilen kann, man habe jetzt genug miteinander getanzt, eben weil alle eine Tanda mit demselben Partner tanzen und dann wechseln. Man tanzt gewöhnlich nicht zwei Tandas hintereinander mit demselben Partner, es sei denn, man hat etwas miteinander (das ist allerdings ein weites Feld: Manche sagen drei Tandas, andere kümmert das nicht im geringsten. Entscheide selbst, verurteile nicht! ). Tandas lehren uns auch, die verschiedenen Orchester zu unterscheiden, und wenn wir sie unterscheiden können, können wir zu einem Calgo anders als zu einem D’Arienzo tanzen. Eine Tanda besteht also aus vier Tangos, manchmal können es auch drei, manchmal fünf oder mehr sein. Das hängt ab von der Tageszeit, dem Orchester, dem Publikum usw. Die Tangos in einer Tanda sollen eine Art Zusammenhang, eine Entwicklung haben, so daß sie eine Kurve, ein abgerundt Ganzes ergeben: - Der erste Tango soll die Leute auf's Parkett locken, er muss charakteristische Merkmale haben, er ist oft ein wohlbekanntes Stück, so dass die Tänzer gern auf's Parkett gehen. - Der zweite muss nicht so ausgeprägt, ins Ohr gehend, sein, sollte jedoch eine Verbindung zum ersten haben: Er vertieft oder kommentiert das, was der erste anklingen ließ. Zwei Seiten einer Medaille. - Der dritte Tango bildet den Kontrast in der Tanda. Waren die ersten beiden in Dur, kann der dritte in moll stehen oder umgekehrt. Hatten die ersten beiden aktive Charaktere, kann der dritte eher passiv sein, waren diese rhythmisch, kann jener mehr lyrisch sein. Wurden die ersten beiden gesungen, kann der dritte instrumental sein. - Der letzte Tango schließt im Charakter an die ersten beiden an, soll jedoch ausreichend eigene Persönlichkeit besitzen, um abzurunden und zusammen zu fassen. Er bildet das Finale der Tanda und bewirkt, daß die Tänzer das Parkett zufrieden verlassen. Diese Reihenfolge schließt an den Ablauf einer klassischen Symphonie an: Eröffnung/Exposition -- Vertiefung/Kommentar -- Kontrast -- Finale. Es kann gut sein, bei einer Vals-Tanda von der Viererregel abzuweichen. Drei sind evtl. besser , weil der Charakter der einzelnen Valses leicht ähnlich sein kann. Das Gleiche gilt für eine Milonga-Tanda: Mehr als drei Milongas können körperlich ermüden. Meine Meinung: In diesen Fällen ist weniger mehr. In einer Tanda mit Tangos hat es sich eingebürgert, dass die Stücke vom selben Orchester aus der selben Zeit stammen. So weiß man beim Hören des ersten Tangos ungefähr, welchen Charakter die Musik in den nächsten 15 Minuten haben wird, was zur Folge hat, dass man eben genau den Partner auffordern kann, mit dem man sich dann in der Tanda wohlfühlen wird. Bei Valses oder Milongas kann man dagegen die Orchester abwechseln, weil es dabei mehr auf den Vals- oder Milongacharakter ankommt. Achte jedoch auch hier darauf, dass die Anfangsvalses oder -milongas Gemeinsamkeiten aufweisen: Lässt du z.B. auf zwei behäbige Valses von Canaro einen blitzschnellen von Biagi folgen, erzeugst du bei den Tänzern leichtes Unbehagen und Unsicherheit. Tandas können ganz vocal, ganz instrumental oder gemischt sein. Setz' sie bewußt zusammen und versuch', Abwechslung zu schaffen. Manche meinen, viele gesungene Tangos nacheinander seien ermüdend. In Argentinien ist es bei gesungenen Tangos jedoch klar, dass alle die Texte verstehen. Achte darauf, Sänger nicht willkürlich zu mischen. Zwar kann man nicht immer eine ganze Tanda mit demselben Sänger besetzen, aber es ist eine der Möglichkeiten, Zusammenhang und Fluss zu schaffen. Beachte innerhalb einer Tanda das Tempo! Es macht einen leicht zerrissenen Eindruck, wenn die Tempounterschiede zu groß sind. Möchtest du die Spannung erhöhen, dann ist es angebracht, Tangos zu wählen, bei denen das Tempo von Stück zu Stück steigt. Willst du dagegen einen Spannungsabfall haben, dann tu das Gegenteil. Es gibt Ausnahmen, aber sei dir immer bewusst, wie die Tempoverhältnisse sind . Stell' nicht ähnliche Tandas nebeneinander. Lass nicht auf eine Tanda Biagi eine mit D’Arienzo folgen oder auf D’Agostino - Calo! Die wären sich zu ähnlich. Schaff Abwechslung! Jede Tanda muss auf irgendeine Art mit der folgenden kontrastieren, sonst sinkt die (Tanz)Energie, und die Leute ermüden . Ich habe einmal eine Miloga besucht, deren DJ voller Energie und gut drauf war. Er legte Tanda auf Tanda energische, schnelle Musik auf, gleich ob Vals, Milonga oder Tango. Das wurde allmählich unerträglich. Viele gingen lange vor dem Ende der Milonga nach Hause , so auch ich. Bei anderer Gelegenheit hört man bisweilen Tanda auf Tanda langsame, intime Musik: gleich schlimm! Die Kunst ist, verschiedene Charaktere und Orchestersounds harmonisch gegeneinander zu stellen, so dass 1+ 1 mehr als 2 ergibt. Stephen Brown (www.tejastango.com) hat sein Standardrepertoire wie unten folgt strukturiert - benutz' das als Ausgangspunkt oder Grundlage, um ähnliche Musik nicht nebeneinander zu stellen. (Auf der o. a.Webseite folgt eine ausführlichste Liste von Aufnahmen: unbedingt ansehen!!) Epochen und Stile: - Old Guard — Orquesta Tipica Victor, Carabelli, Firpo, Lomuto usw. - Early Golden Age — De Caro, früher Fresedo, Donato, früher Canaro - Golden Age Harder Rhythmic — D'Arienzo, Biagi, Rodriguez - Golden Age Softer Rhythmic — früher Troilo, Tanturi, instrumentaler Caló, Federico, Laurenz, D'Agostino, früher Di Sarli - Golden Age Smooth — die meisten instrumentalen Di Sarli, instrumentale Canaro , Fresedo und Troilo, De Angelis - Golden Age Lyrical — Caló, Di Sarli, Troilo, Canaro, Fresedo, Tanturi, Demare geungen , De Angelis gesungen - Golden Age Dramatic — instrumentale De Angelis, Pugliese Transition Era : Sassone , Varela, Francini,Garello New Tango : New York Tango Trio, Litto Nebbia,Trio Pantagone Modern Dance Orquestas : Color Tango,El Arranque, Sexteto Sur Tango Fusion : Goitan Project, Bajofondo Tango Club, Carlos Libedinsky Stephens Auffassung vom "Tango Nuevo" ist vielleicht nicht ganz ideal, geprägt halt von seiner nordamerikanischen Sichtweise, aber weitestgehend gut brauchbar, besonders was den frühen bzw. den Tango des "Goldenen Zeitalters" angeht. Natürlich kann eine solche Tabelle nie vollständig sein, manche großen Namen fehlen, doch sie ist eine sehr gute Grundlage. ( . . . . . . ) Pugliese und andere Schwergewichte Nach einer Tanda schwerem Pugliese leg am besten eine Tanda Vals, Milonga oder Salsa (!) auf. Man kann Pugliese auch ganz am Ende spielen, genau vor "La Cumparsita". Pugliese passt am besten in den späten Abend, wenn die Tangostimmung richtig tief und fest ist. Auch ist eine Pugliesetanda gut am früheren Abend möglich, evtl. eine aus früher Periode, und zwar deshalb, weil nicht alle Tänzer bis spät in die Nacht dableiben können. Die Daumenregel: "keinen Tango nach Pugliese" gilt auch für andere, sehr introvertierte, schwere Musik wie z.B. einen späten Troilo, ebenso für neuere Musik in dieser Tradition wie z.B. das Orquesta Tipica Fernandez Fierro, eine Größe in Bs As, besonders unter den jüngeren Tänzern ( . . . ) Man braucht eine Abwechslung nach dieser ausdrucksvollen Schwere. Der frühe Pugliese besitzt diese Schwere nicht, somit muss auch nicht so ein Gegensatz wie oben genannt folgen. Aber urteile selber! In Bs As folgt oft ein Pugliese auf einen "Zwischenakt" mit z.B. Salsa - und dann wird auch die Beleuchtung gedämpfter ! Manche behaupten , Puglieses gesungene Tangos seien eindeutig schlechter als die übrigen und nur ausnahmsweise gut zu tanzen. Ist die Rede von den eher späten Aufnahmen, so ist da etwas dran. (Auf dem Doppelalbum "bien abajo" gibt es ein paar richtig ekelhafte Schnulzensänger, die ich selber nie auf einer Milonga hören möchte, Anm. P.B. ) Doch gibt es aus den 40er Jahren reichlich gut tanzbare gesungene Puglieses. Vals und Milonga Beachte die Balance zwischen Tango, Vals und Milonga! Mindestens zwei Tandas Tango pro Tanda Vals oder Milonga! Bei zu viel Vals und Milonga kommen die Leute nicht richtig in den Tangofluss. Und der Tangofluss ist die Hauptsache! Ob du selbst nach Vals oder Milonga gierst, ist Nebensache - die Grundlage sind Tangotandas und der große Rest (Vals, Milonga, Salsaswing etc.) ist als Abwechslung oder Kontrast zu benutzen. Ein gutes Tandagrundgerüst ist: t-t-v-t-t-m usw., was so etwa eine Stunde dauert, d.h. pro Stunde legst du drei Valses und drei Milongas auf. Das reicht. Manche DJs wählen die Struktur: t-t-v-m-t-t-v-m. Ich meine, aufeinanderfolgende Vals- und Milongatandas unterbrechen den Tangofluß zu stark. Denn sie sollen doch nur eine Abwechslung sein. Außerdem: möchte man Tango tanzen, dann müßte man in diesem Fall fast ein halbe Stunde Vals/Milonga abwarten. Tanzstile Denk an die Bedürfnisse unterschiedlicher Tänzer! Diejenigen, die in geschlossener Haltung tanzen, möchten häufiger Musik mit ausgeprägterem Rhythmus hören, z.B. D’Arienzo oder Biagi. Diejenigen, die den Salonstil bevorzugen, schätzen oft weichere und fließendere Musik: Di Sarli, Fresedo oder Canaro. Dann gibt es auch noch Musik, die für beide passt: lyrisch genug für die Salontanzenden, rhythmisch genug für die Milonguerotanzenden: Calo, D’Agostino und Troilo, um nur einige Beispiele zu nennen. Beachte also, dass du je nach dem andere Musik auflegst : für Milonguerotänzer oder für Salonextremisten. Alle aber brauchen Abwechslung! Etwas vom Langweiligsten ist ein DJ, der selber vielleicht den Milonguerostil bevorzugt und einen ganzen Abend lang nur mit Staccati gefüllte Musik auflegt - oder einer, der den ganzen Abend mit Pugliese zusoßt - vive la difference! Und nun zum Tango Nuevo ! Tango Nuevo war ursprünglich vor allem ein Musikstil (Piazzolla usw.) und ein pädagogisches Konzept, jedoch nur in äußerst begrenztem Ausmaß ein Tanzstil, falls man überhaupt im Zusammenhang mit getanztem Tango von etwas reden kann, das T.N. heißt. Nuevotänzer brauchen kaum Nuevomusik, sondern tanzen oft zu genau der gleichen Musik der "Goldenen Zeit" wie alle anderen. Es ist nicht unbedingt notwendig, Gotan project, Bajofondo tango club, Melingo, Libedinsky, Hugo Diaz, Piazzolla oder Tanghetto zu spielen, nur weil einige Nuevotänzer anwesend sind. Betrachte T.N.-Musik als eine Unterbrechung, Ergänzung, genau wie Vals oder Milonga. Man soll nicht annehmen, das Parkett bevölkere sich plötzlich mit Nuevotänzern - was auch immer das sein mag, nicht einmal Chico Frumboli weiß das -, nur weil du neueren Tango spielst. Stattdessen geschieht Folgendes: das Parkett bevölkert sich mit Tänzern, die keine Angst vor größeren bewegungsmäßigen Herausforderungen haben . . . und die, die zweifeln, ob sie zu solcher Musik tanzen können, bleiben einfach sitzen . Das bedeutet: Du musst mitbekommen, welches Niveau dein Publikum hat und wo es sich stimmungmäßig und mental gerade befindet, wenn du nicht aus der Tanzstimmung die Luft rauslassen willst wie aus einem Ballon. Eine andere Beobachtung, wenn du "Nuevo"-Musik auflegst, ist, dass manche plötzlich sehr schnell tanzen mit massenhaft Giros und großen dynamischen Figuren , unabhängig vom Tempo der aufgelegten Musik. Sicher ist es gut, dass die Leute wagen, sich frei zu bewegen, aber es sieht leider auch so aus, als meinten viele, "Nuevo" bedeute, sich andauernd mit verschiedensten Giros und anderen "coolen" Figuren zu drehen. Ganz deutlich sichtbar ist, dass viele nicht musikalisch(!) zu Nuevomusik tanzen, vielleicht, weil sie vollauf damit zu tun haben, Figuren auszuführen, oder weil sie aus unerfindlichen Gründen meinen, Schnelligkeit gehöre dazu. Vielleicht aber auch, weil sie ganz einfach nicht genügend auf die Musik achten, was besonders beim "Nuevo"-Tanzen deutlich wird. Gleichviel: Sei dir als DJ dessen bewußt! Und noch etwas wirst du merken: Dass es vornehmlich neue Tänzer und Tänzer auf niedrigerem Niveau sind, die Nuevomusikm bevorzugen. Das ist so. Non-Tango Es kann sein, dass der DJ, wenn der Abend lang wird, mit Musik, die gar kein Tango ist, Abwechslung schaffen will - das kann eine Tanda Salsa, Swing, Rock 'n roll, Chacarera oder was sonst noch sein. Doch muss er sich sicher sein, dass die Leute auch tanzen können, was er auflegt. Solltest du Zweifel haben, dann frag' den Arrangeur, der kennt für gewöhnlich sein Publikum . Eine andere Möglichkeit, eine Tanda Tango Nuevo aufzulegen ist, ihn als Unterbrechung zu spielen, wenn du ihn nicht immer wieder für den Rest des Abends einfügen willst. Doch ist es schwierig, z.B. gotan project mit etwas anderem zu kombinieren. Es ist wohl besser, damit eine ganze Tanda zu machen. Beachte, dass die Regel von den vier Nummern per Tanda hier nicht gilt, weil z.B. Salsastücke bisweilen sechs bis acht Minuten dauern können. So können davon zwei per Tanda genügen. Für diejenigen, die nicht Salsa tanzen, erscheinen vier Salsas nacheinander wie eine unerträglich graue monotone Tonmasse, die nie aufhört. Gleiches gilt für Gotan project und andere Tangofusionsmusik . Eine "hora loca" scheint eine schwedische Erfindung zu sein , manche Djs schieben eine solche "verrückte Stunde " spät in der Nacht ein und legen dann alles Mögliche auf : ungewöhnliche Musik zu der man manchmal Tango tanzen kann , manchmal auch nicht ( ethnische Musik,techno, griechische Troubadoure, Oum Khalsoum usw.). Je nach Umstand und je nach Ausführung kann das sehr befreiend sein - oder aber tödlich . 4. Einen Spannungsbogen aufbauen Versuch während des Abends einen Spannungsbogen zu gestalten: Beginne mit frühem Tango, um gezielt Stimmung zu schaffen und damit die Leute in den Tangofluss zu geleiten: mit einfacherer Rhytmik, während sie eintreffen - häufig während der ersten Stunde, evtl. länger -, dann schrittweise weiter mit habhafterer Musik, deren Höhepunkt dann ereicht sein sollte, wenn die meisten da sind. Wenn du deine Sache verstehst, kannst du diesen Höhepunkt deutlich verlängern und ihn in mehreren Wellen aufbauen. Wenn dann die Leute anfangen, nach Hause zu gehen, bleiben oft nur noch die harten Tangonarkomanen übrig. Ob du dann den Bogen abflachst oder nicht, hängt von der dann herrschenden Stimmung ab. Manchmal kannst du, nach ruhigerer und introvertierterer Musik, eine neue Steigerung erzeugen, was manchmal auch zum Abrunden gut ist. Manchmal ist es angebacht, avanciertere Musik aufzulegen, wenn viele gute Tänzer da sind, manchmal auch schon früher am Abend usw. : Hier ist dein Fingerspitzengefühl gefragt. Achte aber immer auf den Verlauf des Abends . Bist du Traditionalist, dann beschließ’ den Abend mit „La cumparsita“, ohne vorherige cortina! Du kannst mehrere Fassungen der Cumparsita spielen: in Bs As tanzt man die erste Fassung mit dem /der gerade am nächsten Stehenden, die nachfolgende mit seinem eigenen Partner. Man legt aber „La cumparsita“ nicht früher am Abend auf, weil das das Zeichen wäre, nach Hause zu gehen. Die Cortina „Cortina“ bedeutet „Vorhang“. Sie hat mehrere Funktionen. Dazu wieder Robin Thomas: "Cortina ist kein kurzer Tango im Schnelldurchlauf zwischen den Tandas . In Bs As verlassen alle, absolut alle, das Parkett während einer Cortina. Man begibt sich an seinen Tisch, raucht, trinkt, flirtet etwas - und dann , wenn der nächste Tango beginnt stürzt man nicht Hals über Kopf zurück auf's Parkett, - man hört etwas zu, ob er gefällt oder nicht, und entscheidet dann, mit wem man ihn gern tanzen möchte." Eine Cortina begrenzt also die Tandas, erleichtert, die verschiedenen Orchester kennenzulernen und leert das Parkett, so dass man jemanden anderen auffordern kann. Cortinas werden, außer bei den ganz informellen Abenden, fast immer gespielt . Bei Practicas gibt es keine Cortinas, weil man ja auch nicht auffordert. Practicas sind wie erwähnt Training, nicht Tanz. Ebenso ist es auf Practicas durchaus möglich , eine vorgefertigte Spielliste zu benutzen, nicht jedoch auf Milongas. Denk an die Länge der Cortinas! Eine zu lange Cortina senkt die Energie auf der Piste. Eine gute Cortina dauert 15 bis 30 Sekunden. Bist du Bs As-Traditionalist und möchtst das Parkett ganz leeren, z.B. vor einer Vorführung, kann es nötig sein, eine längere Cortina zu spielen, bis zu einer Minute Dauer - aber nur dann! Auch die Größe des Lokals und die Anzahl der Tänzer spielen eine Rolle. Benutze keine tanzbaren Cortinas! Beabsichtigt ist doch, dass in dieser Zeit niemand tanzen soll. Bring den Leuten bei, eine Cortina zu beachten. Robin Thomas schreibt : " Was ist ein Idiot? Ein Idiot ist jemand der versucht, eine Cortina zu tanzen oder der mit einem peinlich berührten Partner auf dem Parkett stehen bleibt." Spiel dieselbe Cortina während des ganzen Abends. Ist er jedoch besonders lang (. . . ), kann es angebracht sein, die Cortina an geeigneter Stelle zu wechseln - aber nicht nach jeder Tanda, das stiftet nur Verwirrung . Die Cortina soll nicht die Aufmerksamkeit auf sich lenken, sondern nur die Tandas voneinander trennen. Die Tandas sollen "sichtbar" werden. Hört man eine gute Cortina ein paar Mal, denkt man nicht mehr besonders an sie. Spiel die Cortina mit geringerer Lautstärke als die Tangotandas, so dass klar wird: Pausenmusik . Blend' sie auch aus, lass sie nicht nicht abrupt aufhören. Wie das geht ? Bei einer Cortina von einer CD dreh' ganz einfach die Lautstärke zurück, bei einer vom Rechner/Laptop kannst du ein einfaches Programm benutzen, um fertige Cortinas mit Ausblendung herzustellen. Gut auch, verschiedene Varianten der selben Cortina in verschiedenen Längen zu benutzen. Eine Cortina darf nicht mit einem Tango verwechselt werden, vermeide also tangoähnliche: die meisten mit Bandoneon/Akkordeon sind nicht geeignet . Stehen dir zwei CD-Spieler zur Verfügung, dann lass die CD mit den Cortinas einfach in einem stecken, mit dem anderen gibst du die Tango-CDs wieder (um größtmögliche Flexibilität zu erreichen und um zu lange Pausen zwischen den Tandas zu vermeiden, sollte man eigentlich drei CD-Spieler haben! Rechner machen die Sache wesentlich einfacher). Bei Milongas mit vielen ungewohnten und unsicheren Tänzern, die die Gepflogenheiten noch nicht kennen, (. . .) kann es ausnahmsweise einmal notwendig sein, die Cortina ganz auszulassen, weil sonst nur eine Unterbrechung im Tanzfluss entstünde und die Leute sich noch weniger auf's Parkett wagten. Ist der Abend sehr lang und sind nur noch die echten Tangonarkotiker übrig, kommt man vielleicht an einen Punkt, an dem es keinen Sinn mehr macht, Cortinas zu spielen. Keiner fordert mehr formell auf, die meistens tanzen nur noch fast wie in Trance. Dann noch Cortinas zu spielen, würde nur den Zauber zerstören. Dann gilt es, flexibel zu sein. Du merkst dann schon, wann dieser Punkt erreicht ist, so nach vier bis fünf Stunden Milonga, morgens gegen zwei/drei oder noch später. Unterbrechungen und Pausen Unterbrich nie eine Tanda. Wenn der Veranstalter etwas mitzuteilen hat, lass es ihn zwischen den Tandas tun, nach der Cortina, nicht vorher oder anstatt, weil die Cortina doch das Zeichen ist, vom Parkett zu gehen. Lass die Unterbrechung des Tangoflusses so unmerklich sein wie nur möglich, und, falls es dir möglich ist, sieh zu, dass es nicht zu viele und lange Mitteilungen gibt, so etwas kann einen ganzen Abend zunichte machen. Die Leute kommen, um zu tanzen, und es braucht seine Zeit, in Tangostimmung zu kommen. Die größte Verantwortung für einen gelungenen oder nicht gelungenen Abend hast du Als DJ. Lass die Pausen zwischen den Tangos nicht zu lang werden, sonst flaut die Energie ab und die Leute gehen vom Parkett, ehe die Tanda zu Ende ist. Merkst du, dass dein Publikum nicht weiß , dass man die ganze Tanda mit einem Partner tanzt, dann achte erst recht auf die Pausen und lock' sie in den nächsten Tango, bevor sie überhaupt auf die Idee kommen, vom Parkett zu gehen (oder bevor sie eine Chance dazu bekommen). Pausen dürfen auch nicht zu kurz sein - es ist sehr nervig, wenn ein Tango pausenlos an den nächsten anschließt: ein paar Sekunden Stille dazwischen müssen sein. Schon eine einzige Sekunde kann einen großen Unterschied machen. Das gleiche gilt für die Pausen vor und nach einer Cortina. Benutz' dein Fingerspitzengefühl, damit der Tanzfluss anhält, denn das ist das allerwichtigste. 5. Der tanzende DJ und vorgefertigte Spiellisten Ein seriös arbeitender DJ tanzt während des Abends nicht selber und stellt auch seine Spiellisten nicht vorher fertig. Er passt seine Musikauswahl den Gegebenheiten auf der Milonga an. Ein Großteil der DJ-Kunst besteht in der Fähigkeit , "vom Parkett lesen" zu können: nämlich hellhörig zu sein für die Bedürfnisse der Tänzer und mit angemessener Musik darauf einzugehen. Manche Musik kann nur gespielt werden, wenn die Umstände genau passen, so z.B. "Este es el rey". Man kann eine Tanda im vorhinein planen, es ist aber sehr oft nötig, die Reihenfolgen zu ändern, wenn die Umstände es erfordern. Will z.B. der Veranstalter eine Mitteilung machen, dann muss die Reihenfolge geändert werden, um das Publikum wieder in den Tanzfluss zu bekommen. Wenn eine Vorführung mit einem fetzigen D’Arienzo schließt, kann es richtig sein, mit einem ruhigen Di Sarli weiter zu machen - oder aber mit einer noch energischeren Milonga, um mit gleicher Energie fortzufahren. Man kann nicht vorher wissen, was am besten passt. Schade wär's, wenn nach einem Auftritt der nächste Tango der vorgefertigten Spielliste genau derselbe wäre wie der der eben beendeten Vorführung. Während der DJ-Lernzeit wirst du jedoch mit größter Wahrscheinlichkeit eine Phase durchmachen, in der du vorbereitete Spiellisten verwenden möchtest, weil du zu Hause Zeit brauchst, um Reihenfolgen zu überlegen und Dinge auszuprobieren, von denen du annimmst, sie könnten funktionieren. Am Anfang wagt man kaum, ein Risiko einzugehen, sondern möchte mit einer bestmöglichen Spielliste vorbereitet sein . (. . . . . ) Bei etwas mehr Übung allerdings musst du dich in's kalte Wasser stürzen oder, besser gesagt, musst wagen und darauf vertrauen, dass du das Repertoire hinreichend kennst und "vom Parkett lesen" kannst. Das ist etwa dasselbe Gefühl, wie als Anfänger jemanden aufzufordern. Man leistet sich Fehlgriffe und es kommt zu Peinlichkeiten, aber auch zu unverhofft glücklichen Situationen. Das ist die einzige Art zu lernen und weiter zu kommen. Es bei vorgefertigten CDs zu belassen erweist dem Publikum keinen guten Dienst. Eine Ausnahme sind die Practicas, wo, wie erwähnt, nicht das Tanzerlebnis im Mittelpunkt steht, sondern das Üben. Da sind vorgefertigte CDs ganz in Ordnung, weil ja der Musikfluss untergeordnet ist. So wird auch die Musik hier mit geringerer Lautstärke wiedergegeben, damit man innehalten und über das eben Geübte reden kann. Willst du aber, dass ein Milonga-Abend ein richtig guter Abend wird, dann musst du flexibel und empfänglich für die herrschende Stimmung sein, genau wie jeder andere DJ auch. Disk-Jockey bezeichnet eigentlich jemanden, der auf einem Wiedergabegerät „reitet“, es ist eine aktive Tätigkeit. Kommst du dagegen mit einem vorgefertigten Programm für den ganzen Abend und tanzt du dann den ganzen Abend genau wie jeder andere, dann sollte besser „Musikauswahl von . . .“ statt „DJ. . . “ in der Ankündigung stehen. Nochmal : wenn du DJ bist bedeutet das, dass du arbeitest. Du bist die ganze Zeit beschäftigt. Du kannst nicht „vom Parkett lesen“, wenn du drauf stehst (dass man am besten vom Parkett lesen kann, wenn man selbst tanzt, ist in meinen Augen eine pure Ausrede). Das bedeutet also leider, dass du nicht tanzen kannst, während du auflegst, außer vielleicht bei einzelnen Tandas oder einem Teil einer Tanda am Beginn oder Ende eines Abends. Andererseits, ich wiederhole mich : wenn du wirklich auf die hier beschriebene Art arbeitest, gibt es keinen Grund, dass du für deine stundenlange Arbeit keine Bezahlung bekommen solltest. Du bist derjenige, der am heftigsten arbeitet und hast außerdem große Unkosten, CDs und Platten gibt’s nicht umsonst. Es gibt aber eine Art Zwischenstadium, nämlich mit vorprogrammierten Tandas als Ausgangspunkt zu arbeiten. Das gibt dir größere Flexibilität und macht dich sicherer, bevor du wagst, ins kalte Wasser zu springen und Tandas je nach Entwicklung des Abends zusammenzustellen. Aber selbst da - in deinem späteren Stadium - kann es gut sein, zur Sicherheit ein Programm mit fertigen Tandas dabeizuhaben. Dagegen : jahrelang die gleichen Tandas abzunudeln, ist nur langweilig. Du und dein Geschmack entwickeln sich andauernd, und die Tänzer merken auch allmählich, dass du immer das Gleiche spielst. Es gibt unendlich viel fantastische Tangomusik, und es gibt viele verschiedene Arten, daraus eine Tanda zusammenzustellen. PCs und Wiedergabetechnik Wenn du Laptops und MP3-Dateien benutzt, sieh zu, dass die BIT-Geschwindigkeit 160 KB per Sekunde beträgt. Benutzt du statt MP3 das neuere und bessere AAC-Format, klingen 128 kbs sogar besser als MP3 mit 160 kbs. Eine höhere Bit-Geschwindigkeit ist dann nicht notwendig. In einzelnen Fällen kann man wegen des Diskantabfalls bei solchen Aufnahmen sogar eine niedrigere Bit-Geschwindigkeit verwenden, wenn es sich um ältere Tangos handelt. ( . . . . . ) Wenn du ältere Tangos spielst, die von Schellack-Platten überspielt wurden, solltest du, wie alle erfahrenen Tontechniker, den Diskant ungefähr um 6 dB senken, weil die Schellack-Platten den Diskant unproportional hervorheben. In diesem Fall kannst du auch die Bässe etwas anheben. Pass aber auf, ob das nicht schon vor der Herstellung der CD geschehen ist – häufig ist es das nicht. Vermeide allzu knisternde und zerkratzte Aufnahmen. Das ermüdet die Ohren und bewirkt, dass die Leute weniger und schlechter tanzen – und dass sie auch zeitiger nach Hause gehen. Bevorzuge rauscharme Aufnahmen, hör auch mal bei Keith Elshaw (HYPERLINK "http://www.totango.net/"www.totango.net) rein, da gibt es Aufnahmen, bei denen er Knackser und Nebengeräusche aus den Wave-Formen entfernt hat. Ein großer Unterschied ! Verstärk' nicht die Bässe, als würdest du im Bierzelt auflegen. Verlass dich auf einen möglichst natürlichen Klang. Der Frequenzgang sollte im Prinzip linear sein, außer in den o. a. Fällen. Benutze keine Kompressionen, die die Lautstärke automatisch auf ein einheitliches Niveau justieren. Benutze statt dessen deine Ohren, das ist besser. ( . . . . . ) Während einer Tanda kannst du dich nicht auf die faule Haut legen. Du musst ständig auf Lautstärke, Bass und Diskanteinstellung achten und andere notwendige Justierungen während der Tanda vornehmen. Es hilft nicht, fertige CDs mit ganzen Spiellisten und angeglichenem Lautstärkeniveau zu haben, weil alle Wiedergabeanlagen ebenso wie die Räume anders reagieren, und außerdem spielt es auch eine Rolle, wieviele Leute anwesend sind, ja sogar, was sie anhaben ( Wolle, Vinyl, Latex . . .). Du musst darauf gefasst sein, mit den Reglern zu spielen. Betrachte die Tonmischung als ein Instrument, das du spielen lernen musst. Als Wiedergabeprogramm kann ich iTunes empfehlen, das ist kostenlos sowohl für Windows als auch für den Mac. Es bietet die Möglichkeit, ohne großen Aufwand Spiellisten anzulegen. Unter Windows benötigt es jedoch mehr Speicherplatz, daher bevorzugen viele Djs auf dem PC stattdessen WinAmp. Du brauchst kein traditionelles DJ-Programm, weil du niemals „auf Takt“ mixt. Willst du vorhören, empfiehlt es sich, eine doppelte Soundkarte zu nutzen oder auf dem Mac einen Airport-Express: bei dem kannst du den Finder zu Vorhören benutzen. Und außerdem kannst du überall im Raum sitzen. Lautstärke Dreh nicht zu stark auf. Während des Abends gibt es häufig eine Inflation der Lautstärke, weil man sich eingewöhnt und sozusagen „hörblind“ wird. Gib aber auch nicht zu leise wieder, besonders nicht am Beginn, weil die Leute sich am Beginn von der Musik umarmt fühlen und auf das Parkett trauen sollen. Außerdem soll die Lautstärke an die Anzahl der Tänzer angepasst sein: Viele Leute auf dem Parkett bedeutet ein deutlich höheres Tonniveau, weil Kleider und Körper Lautstärke absorbieren. ( . . . . . ) Ein guter Gradmesser für die Lautstärke ist, wie laut die Leute sich unterhalten. Wenn sie sich anschreien oder Watte in die Ohren stopfen, ist es zu laut. In der Situation hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du drehst noch mehr auf und erstickst die Unterhaltung, oder du drehst zurück in der Hoffnung, dass die Leute den Wink verstehen (sich auf einer Milonga laut zu unterhalten, ist übrigens anderen gegenüber wenig rücksichtsvoll und zeigt, dass man nicht vor allem zum Tanzen gekommen ist). Gleich, was du tust, sei besorgt um deine und die Ohren der Tänzer. Einen Tinnitus wird man nie wieder los. Regeln und Traditionen Alle Regeln können übertreten werden. Du musst nur wissen, warum. Du kannst sehr traditionell sein oder gegen die Konvention verstoßen. Wir müssen uns nicht immer so verhalten wie im Tangomekka Bs As – Fundamentalismus kann extrem stressig sein und ist vielleicht am deutlichsten ausgeprägt dort, wo der Tango im Exil lebt. Um aber schöpferisch tätig zu sein, musst du zuallererst das Traditionelle beherrschen. Ganz einfach: Du musst wissen, was du tust. Neuerfindungen entstehen selten auf die vorher beabsichtigte Weise. Fang mit dem Erprobten an, bevor du experimentierst. Anmerkung Peter Bengtson ist Komponist in Stockholm, hat jahrelang in Skandinavien als Tango - DJ gearbeitet und die leider kürzlich eingestellte schwedische Webseite tangoportalen.com betreut. Der vorliegende Text von ihm erschien dort Anfang 2006 . Übertragen hat ihn , mit gerinfügigen Kürzungen, Fritz , Sabine hat ihn in die Tasten gedrückt und auch wohlgesetzte Worte an den richtigen Stellen gefunden Tangueros! Legt ihr zum Dank eine Barrida zu Füßen!! März 2011
Geschrieben am
19.05.2011 um 13:35
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Besser kann man die Grundlagen der Aufgabe eines Tango-DJs nicht beschreiben.
Vielen Dank & viel Erfolg für Dein Blog!
Ich werde wiederkommen. Einstweilen viele Grüße
c.